Schlafdiagnostik – der Weg zu gutem Schlaf

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Schlafdiagnostik

Das Interview ist erstmalig am 13. Juli 2017 in der htr hotel revue (Nr. 14) veröffentlicht worden.
Autorin: Franziska Egli

Das Grand Resort Bad Ragaz verbindet Ferien mit Schlafdiagnostik. Mark Däppen, Facharzt im Medizinischen Zentrum, über eine wachsende Klientel und gutes Schlafen im Hotel.

Mark Däppen, das Grand Resort Bad Ragaz bietet die «interdisziplinäre Schlafkompetenz». Wie sieht die aus?

In einem ersten Gespräch mit dem Gast machen wir uns ein Bild von seinen Schlafgewohnheiten. Es folgen medizinische Untersuchungen von Herzkreislauf-bis zu neurologischen Erkrankungen, die den Schlaf negativ beeinflussen können. Wir machen Laboruntersuchungen, überprüfen den Stoffwechsel. Und schliesslich messen wir mittels Video-Polysomnographie den Schlaf.

So erfahren wir, ob jemand wirklich schläft und wie er schläft. Das alles wird aufgezeichnet, ausgewertet und gibt ein umfassendes Bild – zwar kein hundertprozentiges, das sich mit dem Schlaf zu Hause vergleichen lässt. Aber wenn jemand unter Schlafstörungen leidet, dann kommen diese auch an einem fremden Ort zum Vorschein. Bei speziellen Fragestellungen steht ein interdisziplinäres Ärzteteam zur Verfügung.

Dafür lässt sich das Ganze angenehm mit einem Aufenthalt im Hotel verbinden?

Genau. Diese Verbindung zweier Serviceleistungen wird von den Gästen sehr geschätzt. Wir bieten medizinische Leistungen in einem angenehmen und persönlichen Umfeld. Dem Gast stehen alle Angebote des Hotels zur Verfügung, von den Restaurants über das Spa bis zum Golfplatz. Zumal die Themen Ernährung und Bewegung ebenfalls einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Schlafqualität haben. Auch diesen schenken wir die nötige Beachtung.

Liesse sich manches nicht auch ambulant lösen?

Bedingt. Die Video-Polysomnographie, welche den Schlaf aufzeichnet, erfordert eine Übernachtung. Die ist in einem Hotel angenehmer als in einem Spital, zumal wir die Aufzeichnungen in jedem beliebigen Hotelzimmer durchführen können.

Welche Gäste interessieren sich für Schlafdiagnostik?

Es handelt sich dabei um Gäste, die entweder unter Schlafproblemen leiden oder sich für Gesundheit und Schlaf interessieren. Wir sind somit auch im präventiven Bereich tätig – denn erholsamer Nachtschlaf ist absolut zentral, um physisch und psychisch gesund und leistungsfähig zu bleiben. Diese Gäste wollen das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und schätzen die Kombination von medizinischer Kompetenz und Luxushotellerie.

«Wichtig sind angenehme Temperaturen, die der Gast selber regulieren kann.»
Mark Däppen, Facharzt Grand Resort Bad Ragaz

Wie gross ist die Nachfrage derzeit bei den Gästen?

Unser Angebot gibt es seit Jahren. Es ist aber eines, das lange wenig genutzt wurde, wie das Thema Schlaf und Gesundheit auch von der Medizin lange stiefmütterlich behandelt wurde. In den
vergangenen Jahren hat es an Bedeutung gewonnen; heute weiss man um den enormen Einfluss des guten Schlafs auf die Gesundheit. Wir führen mittlerweile bis zu hundert Untersuchungen jährlich durch – deutlich mehr als früher. Auch die Anzahl der Hotelgäste, die explizit wegen der Schlafdiagnostik kommen, hat stark zugenommen.

Ein Markt mit Potenzial für die Hotellerie?

Durchaus. Ein medizinisches Zentrum wie das im «Grand Resort» lässt sich zwar nicht einfach kopieren und so aus dem Boden stampfen. Aber denkbar sind auch Kooperationen zwischen Hotels und
medizinischen Kliniken. Medizinische Abklärungen eingebettet in ein angenehmes Umfeld sind heute sehr gewünscht – Spitäler haben grundsätzlich eine andere Ausrichtung.

Was kann ein Hotel sonst noch bieten, um dem Gast den bestmöglichen Schlaf zu ermöglichen?

In erster Linie eine ruhige Umgebung, die sich gut abdunkeln lässt. Ein bequemes Bett, gute Duvets und Kissen – im Idealfall verschiedene zur Auswahl. Und ganz wichtig: angenehme Temperaturen. Schlafmedizinisch empfehlen wir zwischen 16 und 18 Grad, was im Sommer zwar eher unangenehm ist. Wichtiger ist, dass die Temperatur regulierbar ist und der Gast sie auf seine Bedürfnisse einstellen kann.

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