Ein Check-up ist kein Autoservice

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Der Check-up zum rechtzeitigen Erkennen von Erkrankungen liegt im Trend. Wenn es um gesundheitliche Probleme eines Patienten geht, dann gibt es jedoch keine routinemässige Abfertigung nach Schema F. Abklärungen nur der Abklärung wegen zu machen, ist tabu. Es gilt herauszufinden, was für den einzelnen Patienten das Beste ist.

Aufklären und vorbeugen

Als Arzt habe ich am liebsten mit gesunden Patienten zu tun. Das würde mich auf Dauer vielleicht arbeitslos machen, aber es ist immer schöner, wenn wir in unserem Beruf vorbeugend tätig sein können, als wenn wir eine Erkrankung feststellen und behandeln müssen. Vorsorgeuntersuchungen sind mir deshalb ein persönliches Anliegen. Allerdings sorgen diese Gesundheits-Check-ups immer öfter für Verunsicherung bei Patienten. Sie stellen sich Fragen wie: «Wie viel soll untersucht werden?» oder «Welche Abklärung kann man sich eigentlich sparen?» Denn oft sind die Abklärungen von Eigeninteressen geprägt – wohlgemerkt dem der Ärzte und nicht dem der Patienten.

Meist kommen Patienten ab dem 50. Lebensjahr für regelmässige Check-ups in meine Praxis. Tendenziell kommen aber immer häufiger auch junge Menschen zu uns. 30- bis 35-Jährige, die beruflich gestresst sind oder sonst intensiv leben. Das ist sinnvoll, weil potenzielle Risiken bereits in diesem Alter erkennbar sind. Entsprechende Vorbeugungen können die Lebensqualität entscheidend verbessern.

Was macht Sinn?

In unserem Medizinischen Zentrum sind verschiedene Check-ups populär. Der Herz-Kreislauf-Check beispielsweise, da in der heutigen Zeit Herz-Kreislauf-Erkrankungen weit verbreitet sind. Neben einer gewissen genetischen Veranlagung sind Faktoren wie Lebenswandel und Ernährung ausschlaggebend. Aber auch der Osteoporose-Check ist sehr gefragt: Mit zunehmendem Alter kann – insbesondere bei Frauen – die Knochendichte rapide abnehmen. Damit steigt die Gefahr von Knochenbrüchen, Wirbelsäulenverkrümmungen und Schmerzen stark an.

Mit Hilfe einer Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) können Patienten ohne grossen Aufwand ihr persönliches Risiko, an Osteoporose zu erkranken, ermitteln und gegebenenfalls bei niedrigen Werten vieles tun, um die Auswirkungen der Erkrankungen zu minimieren.

Zuletzt würde ich noch die Schlafdiagnostik erwähnen, welche momentan im Trend liegt. Viele Mitmenschen leiden an Ein- und Durchschlafstörungen, Schnarchen, nicht erholsamen Nachtschlaf, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus. Die umfangreiche Diagnostik mittels einer Video-Polysomnografie erfasst jegliche Störfaktoren während des Schlafes und ermöglicht eine klare Diagnose anhand der Untersuchungsresultate. Die Patienten erhalten konkrete Behandlungsvorschläge des Facharztes zur langfristigen Behebung der Schlafstörungen.

Auch ist Diabetes vermehrt bei jüngeren Menschen anzutreffen, da ist ein Diabetes-Check sehr geeignet. Dieser zeigt Patienten, wie mit der Krankheit im Alltag umzugehen ist. Die Untersuchungen helfen auch Begleiterkrankungen frühzeitig zu identifizieren, sodass entsprechende Behandlungsvorschläge unterbreitet werden können.

Überdiagnostik ist tabu

Ich stütze mich auf die Erkenntnisse, die wissenschaftlich belegt sind. Dass im Medizinischen Zentrum Bad Ragaz vom medizinischen Labor bis zum umfassenden Angebot eines hochmodernen radiologischen Instituts alles unter einem Dach vereint ist, erleichtert den Patienten und mir vieles. Es verkürzt die Wege und Zugänge und ermöglicht eine schnelle und umfassende Diagnose.

«Übertreibt man, so steigen nicht nur die Kosten, sondern auch das Risiko von Zufallsbefunden.»

Ebenso wichtig sind aber auch Faktoren wie Intuition und Erfahrung oder das Eingehen auf die Wünsche und Bedürfnisse des Patienten. Wogegen ich mich vehement stemme, ist jede Form von Überdiagnostik. Ich halte es für falsch, einfach möglichst viele Untersuchungen aneinanderzureihen. Untersuchen soll man so viel wie möglich, aber nur so viel wie nötig. Übertreibt man, so steigen nicht nur die Kosten, sondern auch das Risiko von Zufallsbefunden. Diese müssen dann abgeklärt werden, obwohl sie eigentlich bedeutungslos sind. Solche Zufallsbefunde können einen Rattenschwanz von an sich unnötigen Folgeuntersuchungen nach sich ziehen.

Dennoch muss genug abgeklärt werden um Ernsthaftes nicht für bedeutungslos zu halten. Diese Gefahr besteht immer. Wir befinden uns auf einer Art Gratwanderung auf einem anspruchsvollen Gebiet, das sehr viel Wissen und Erfahrung erfordert. Kein Mensch ist genau so beschaffen wie der andere. Ein Check-up ist denn auch bei Weitem nicht so simpel wie ein Autoservice.

Kein Schema F – die individuelle Behandlung steht im Mittelpunkt

Ich sehe den von mir geleiteten Fachbereich Check-up & Diagnostik als Kernstück des Medizinischen Zentrums Bad Ragaz. Seit 2005 bin ich Teil eines interdisziplinären Ärzteteams im Grand Resort Bad Ragaz. Unsere medizinische Kompetenz, in Verbindung mit einer Topinfrastruktur, hat unserem Bereich weit über die Landesgrenzen hinaus zu einem exzellenten Ruf verholfen. Das haben wir uns hart erarbeitet und wohl deshalb erreicht, weil wir uns Zeit nehmen und immer den Patienten in den Fokus rücken. Eine routinemässige Abfertigung nach Schema F gibt es nicht. Dafür wird umso mehr Wert auf Individualität gelegt. Das gilt für Hotelgäste genauso wie für die externen Besucher und Patienten des öffentlich zugänglichen Zentrums. Unter diesen optimalen Voraussetzungen wird im Fachbereich Check-up & Diagnostik auf ein einziges grosses Ziel hingearbeitet: herauszufinden, was für den einzelnen Patienten das Beste ist.

Das ist nicht immer einfach. Es kann vorkommen, dass sich nicht herausfinden lässt, was jemand wirklich hat. Dass eine Person zum Beispiel einen zu hohen Leberwert aufweist, obwohl sie gesund lebt. Dann muss man den richtigen Zeitpunkt finden, um aufzuhören. Das ist schwierig, aber es verdeutlicht, dass es auch beim Check-up medizinische Grenzen gibt.

«Ich kann den Lebensstil eines Menschen positiv beeinflussen.»

Wenn ich nach dem Schönen in meinem Beruf gefragt werde, dann kann ich jedoch sagen, dass ich den Lebensstil eines Menschen positiv beeinflussen kann. Wenn ich meinen Beitrag dazu leisten darf, dass jemand länger gesund bleibt und sich einer entsprechend hohen Lebensqualität erfreut, so macht mich das glücklich.

Und wann waren Sie das letzte Mal beim Check-up? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht oder was wollten Sie schon immer einmal wissen?

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